Also wenn ich groß bin, möchte ich einen Ponyhof haben und dann fliege ich über die Wiesen und Felder, ich will Erfinder werden! Ich will tanzen, hoch oben auf einem Seil… ABGELEHNT!
Eine Einladung zum Träumen, zum Hinterfragen und zum Nachdenken.
Die Schüler:innen des Prüfungskurses Darstellendes Spiel des Gymnasiums Ricarda-Huch-Schule begrüßen uns in einer fantasievollen Kindertraumwelt, in der im Sand gespielt wird, Kindheitsträume noch Platz haben und in typischer Kinder-Spielhaltung verbalisiert werden. Passenderweise wird dieses Intro von „Warten auf Bewilligung“ von dem Song „Young Folk“ untermalt und vermittelt Leichtigkeit und Sorglosigkeit. Den utopischen Höhepunkt erreicht diese Szene durch den Berufswunsch einer Spielerin, die sich überlegt hat, Dr. Dolittle, der Arzt, der mit Tieren sprechen kann, zu werden.
Im direkten Kontrast steht die anschließende Szene, in der die Spielenden darauf warten, dass ihre Glücksanträge mit dem wiederholenden Satzanfang „Wenn Geld keine Rolle spielen würde, dann würde ich …“
„… frei sein und auf Weltreise gehen.“,
„… ausschlafen, ohne Wecker, ohne Stress.“
Abgelehnt! Diese Anträge landen direkt in einem Schredder. Das Geräusch sorgt für Mitgefühl und verhaltenes Lachen seitens des Publikums. In einer anschließenden Reportage über die sogenannte Glücksanstalt, in der wir uns an diesem Abend bewegen, die immer wieder auftritt und den roten Faden für die Szenen bildet, wird erklärt, dass „Glück ja schließlich auch kein Zufall ist.“ Man müsse sich eben das Richtige wünschen. Ein Haus mit Pool beispielsweise.
In der Glücksanstalt werden Personen hinter einer Schattenwand manipuliert, um in Werbevideos passend zu performen, Produkte präsentiert, die zu Glück verhelfen sollen, bei denen die Präsentierenden auf Schnipsen funktionieren müssen. Groß machen und Lächeln auf Knopfdruck. „Schlüpfen Sie in diesen Schuh, schlüpfen Sie in Ihr Glück!“ Doch wie lange kann man diesem Druck standhalten? Wie lange hält die Fassade der Perfektion? Am Ende muss sich auch die Leiterin der Glücksanstalt geschlagen geben und erleidet einen beindruckend gespielten Zusammenbruch. Nicht zu vergessen der charmante kehrende und tanzende Spieler, der dem ganzen Negativen keinerlei Beachtung schenkt und in seiner eigenen tänzerischen Traumwelt bleibt. Er sorgt für die nötige und angenehme Lockerheit zwischen den Szenen der Glücksanstalt und verteilt zum Schluss die geschredderten Wünsche, anstatt sie zusammenzufegen, sodass diese als letzter dramaturgischer Kniff noch einmal aufgegriffen werden und zurück zu den Spielenden selbst führen.
Insgesamt überzeugen die Schüler:innen durch ihre große und ausdrucksstarke Spielfreude, durch authentische Ausbrüche, durch Lautstärke und durch ihr Engagement, das in den einzelnen Szenen deutlich zu spüren war. Danke für die gestalteten Übergänge und Umbauten, auch diese Phasen sind wichtig und wurden toll mitgedacht. Und danke dafür, dass ihr uns damit entlassen habt, dass das, wonach in eurer Glücksanstalt gesucht wurde, am Ende doch eben in jedem selbst liegt, tief in uns drin. Ein schönes, abschließendes Statement für einen tollen Theaterabend der Ricarda-Huch-Schule!
geschrieben von Franziska Baumgartner
