Schuld war nur Elya
Kakteen, Sand, gleißendes Sonnenlicht. Bei der Aufführung von „Schuld war nur Elya“ hat man am 06.06.2024 in der Brunsviga wirklich das Gefühl, in der Wüste zu sitzen.
Stanley hat eigentlich immer Pech. Doch eines Tages fallen ihm ein Paar Sneaker auf den Kopf (vermutlich von Dennis Schröder!), die er seinem Vater mitbringen möchte. Ein Erfinder, der sein Lebenswerk darin sieht, ein Mittel zu erfinden, aus stinkenden Schuhen wieder nicht-stinkende Schuhe zu machen. Da kommen die neuen Sneaker ja gerade recht!
Doch Stanley wird von der Polizei erwischt und muss in ein Verbesserungscamp in die Wüste. Und Schuld an alledem ist doch nur sein Ururgroßvater Elya. Der wurde nämlich damals verflucht, weil er ein Versprechen nicht halten konnte. Die Erzählung der Geschichte Elyas wird ganz anschaulich mit Fotos in Sepiatönen – fast schon Stummfilmcharakter! – untermalt, die die Foto-AG der Henriette-Breymann-Gesamtschule eigens dafür kreiert hat.
Wir werden durch ein stimmiges Bühnenbild direkt hineingeworfen in die Szenerie des Verbesserungscamps. Es ist heiß. Und es ist hart, hier zu arbeiten. Das machen die Insassen – in wunderbar aufeinander abgestimmten Kostümen aus Shirts und Cap in Schlammfarben – schnell deutlich, indem sie wunderbar chorische Bewegungen ausführen und uns somit an den Abläufen im Camp teilhaben lassen.
Stanley kommt also in das Camp und erfährt dort den knallharten Alltag der Insassen. Sie müssen graben. Und immer wieder graben. Und werden von Skorpionen gebissen, aber am schlimmsten ist der Biss einer gelb gefleckten Eidechse! In diesen Campszenen kommt das Potenzial der Gruppe ganz besonders zur Geltung. In durchchoreografierten Arbeitsläufen wirkt die Inszenierung stimmig mit dem Wüstenbühnenbild. Der Sand hätte durch Bespielung ruhig noch etwas mehr im Fokus stehen können. Die Spielenden sprechen passend im Chor. Ganz stark ist der Moment, wenn sich aus dem Insassenpulk Einzelne hervorschlängeln und ihre individuellen Wünsche und Hoffnungen an das Publikum bringen. Das hat Lebensweltbezug und das vornehmlich junge Publikum kann sich sofort identifizieren:
„Ich möchte frei sein!“
„Ich werde einmal Superheld!“
„Ich werde einmal eine Weltreise machen!“
Auch die Dramaturgie wirkt stimmig. So strukturieren die wiederholten Szenen der Eltern, mit dem erfolglosen Erfinder und dem herrlich unaufgeräumten Schuhregal auf Rädern, die Handlung weiterhin.
Ganz stark auch eine Szene, in der die Kaltblütigkeit der Campleitenden zum Ausdruck kommt und eine Flasche Wasser auf Ex getrunken wird. Die Insassen versuchen mit Terrabändern an die Flasche zu kommen, doch es zieht sie immer wieder zurück in die heiße Wüste. Zu Vivaldis „Sommer“ wirkt diese Szene nahezu tänzerisch. Diese Highlights gleichen auch die ansonsten vorrangig dialoglastigen Szenen aus.
Letztendlich findet Stanley im Camp echte Freunde. Und wie sich herausstellt, sind dieses die Nachfahren von jener Frau, die damals seinen Ururgroßvater Elya verflucht hat. Dadurch, dass er das Versprechen, was Elya damals gegeben hat, erfüllt, wird der Fluch der gesamten Familie gebrochen. Sein Vater kann nun endlich das ersehnte Mittel erfinden und Stanley wird aus dem Camp entlassen. Dabei nimmer er gleich alle Insassen mit. Ausgelassen tanzt die Gruppe am Ende zu „Survivor“ von Destiny’s Child einen stark choreografierten Befreiungstanz. Und es macht so sehr Spaß, dabei zuzuschauen! Jubelrufe beim Applaus!
geschrieben von Nadine Eckelt
