Gönnen Sie sich Malaria!
Ein Dreh am Glücksrad – und schon regnet es auf der Bühne. Kurz danach scheint die Sonne. Das Wetter spielt verrückt – und die Wahlpflichtkurse der Jahrgänge 6-10 der OBS Lehre zeigen dem Publikum im ausverkauften Kleinen Haus, was man bei Wetter alles machen kann. Da klaut eine Möwe das Eis am sonnigen Strand, im Regen angelt man zusammengekuschelt unter einem riesigen Schirm und der Sturm verlangt seine Opfer; Schneemänner werden gebaut und schmelzen wieder, die Touristen in der Wüste bekommen einen Sonnenstich und dass das Haus brennt, ist mittlerweile auch schon Alltag. Und die Götter? Die sind wie immer mehr mit sich selbst beschäftigt (und mit Ra).
Mit viel Musik und an vielen Stellen schönen Choreographien – besonders hervorzuheben ist hier die Schneeflocken-Choreo – leiten die Schülerinnen und Schüler in einer lockeren Collage von normalem Wetter zu kritischeren Tönen über. Jetzt geht es um Klima, um Atomkrieg und um die symbolische Vielfalt des Regenbogens. Die Botschaften sind klar und wichtig – wir sollten alle endlich mal auf den Klimawandel (der übrigens eine Frau ist) hören. Die zum Teil zu häufigen Auf- und Abgänge wirken jedoch unruhig und zum Ende hin hätte man sich einen klareren roten Faden gewünscht. Die Spielfreude der fast fünfzig Jugendlichen zeigt jedoch, wie vielfältig das so oft belächelte Thema Wetter sein kann.
geschrieben von Melanie Knop
Warum den Klimawandel stoppen?
„Wir sollten als eine einzige Welt ein gemeinsames Ziel anstreben“ – genau das war die Nachricht, die die Schüler*innen der Wahlpflichtkurse der Jahrgänge 6 bis 10 von der Oberschule Lehre dem Publikum in Braunschweig im Kleinen Haus unter den Spielleitungen Kathrin Marks, Lina Neumann, Nina Schindehütte und Sebastian Alexander mit ihrem Theaterstück vermitteln wollten. Der Klimawandel soll gestoppt werden.
Mit sehr viel spielerischem sowie einem liebevollem Ausdruck haben die Schüler*innen präsentiert, welche Auswirkungen der Klimawandel auf uns hat, dabei wurde anfangs auch das Publikum durch ein Wetterrad mit eingebunden, was positiv hervorzuheben ist, denn so wurde die Neugier aller geweckt.
Im Dezember sind es auf einmal sommerliche Temperaturen, die Schüler*innen zeigen auf, welche Aktivitäten man unternehmen kann, wie zum Beispiel ein Eis zu essen oder schwimmen zu gehen, anstatt eine Schneeballschlacht in dieser Jahreszeit zu machen. Des Weiteren wünschen sich die Kinder in dem Theaterstück einen Winter, so wie er früher war, also weiße Weihnachten oder auch einen Schneemann bauen zu können. Doch durch den vermehrten Klimawandel ist dies nicht mehr möglich, was durch Requisiten deutlich dargestellt wird. Auch Wettergötter, die die einzelnen Wetterlagen beschreiben und in einem gegenseitigen Konflikt zueinander stehen, spielen in dem Stück eine wichtige Rolle. Sehr prägend ist das Ende des Stücks, denn die Schüler*innen zeigen mithilfe von Requisiten, dass unsere Welt kein Spielball sein soll und durch verschiedene und zugleich sehr ausdrucksstarke Worte machen sie deutlich, dass die Erwachsenen dafür verantwortlich sind, den Klimawandel zu stoppen. Als Kinder und Jugendliche sind sie auf die Erwachsenen angewiesen.
Zu Beginn des Stücks werden die Grundlagen des Themas verdeutlicht. Die Schüler*innen präsentieren zwei Wetterlagen, die von dem Wetterrad ausgehen, an dem jeweils eine Person aus dem Publikum drehen darf. Zu beiden Wetterlagen werden Wetter angepasste Aktivitäten unternommen. Mit Hilfe von einem guten Bühnenbild, passender Musik sowie einer guten Raumnutzung und der Verwendung des passenden Lichts zu jeder Wetterlage wird das Publikum in die aktuelle Wetterlage versetzt. Auf einer großen Leinwand im Hintergrund wird bildlich oder mit Farben die aktuelle Wetterlage dargestellt, was es jüngeren Zuschauer*innen vereinfacht, dem Stück gut folgen zu können. Danach kommen die Wettergötter ins Spiel, sie zeigen die einzelnen Konflikte zwischen den Wetterlagen auf. Zwei Wettergötter der Kälte werden von zwei Wettergöttern der Wärme getötet, womit der Klimawandel angedeutet wird und die Spielebenen zum Einsatz kommen. Die Kreativität wird in diesem Stück nicht außer Acht gelassen.
Nach einem Szenenwechsel taucht eine Wüste im Hintergrund auf, nach dieser Szene mit Wärme folgt eine Szene mit Kälte, wo es zudem zu einem Einsatz von Filmmaterial kommt. In dem kurzen Video stellen die Schüler*innen Schneeflocken dar, der kurze Ausschnitt bringt Lockerheit in das Publikum und holt es emotional ab. Eine weitere Szene ist die mit den sommerlichen Temperaturen im Winter, diese wird zweimal wiederholt und immer etwas verstärkter dargestellt, was die Dringlichkeit des Themas hervorbringt. „Glühwein bei diesem Wetter schmeckt nicht“, und das, obwohl es Dezember ist. Die Spielfreude kommt hier sehr stark zum Ausdruck, auch wird hier eine gute Atmosphäre erzeugt, was sich im Publikum durch ein Schmunzeln zeigt.
Tänzerische Elemente werden natürlich nicht ausgelassen, sondern sind auch mit dabei. Eine Szene, bei der es um eine Liebesstory im Regen geht, stellt die tänzerischen Elemente gut dar, wodurch viel Dynamik mit einer sehr schönen Präsenz sowie mit passender Musik von den Schüler*innen erzeugt wird.
In einer weiteren Szene werden Nachrichten im Fernsehen simuliert, der Klimawandel wird hier in Form einer Schülerin dargestellt. Auch die Wettergötter kommen erneut zum Einsatz und es kommt zu einem chorischen Sprechen zwischen ihnen. Dies erzeugt eine tolle Dynamik, denn durch das chorische Sprechen wird eine andere Wirkung erzeugt, was sich in der Atmosphäre des Publikums bemerkbar macht.
Die letzte Szene des Stücks ist die ausdrucksstärkste, denn die Schüler*innen bringen die Relevanz des Themas perfekt und sehr durchdacht auf den Punkt. Die Gruppe schafft es bis zum Ende hin, eine starke Präsenz auszustrahlen, wodurch sie nicht die Aufmerksamkeit des Publikums verliert, sondern sie bekommt diese nur noch mehr auf sich gerichtet. Durch klare Worte von fast jedem*r Schüler*in wird klar, wie wichtig es ist, den Klimawandel zu unterbrechen. Außerdem machen sie darauf aufmerksam, dass sie Kinder sind und die Erwachsenen brauchen, um eine Veränderung erreichen zu können. Das Schlussbild wird mit aufgeklappten Büchern, in denen „Klimawandel jetzt!“ steht, dargestellt. Es herrscht eine exzellente Atmosphäre im Publikum, was sich auch durch einen herzlichen Applaus widerspiegelt.
Mit der großen Spielfreude, dem gut genutzten Raum, der gut erhaltenden Atmosphäre im Publikum und dem passenden Einsatz von Musik hätten manche Szenenwechsel noch zusammenhängender und dynamischer wirken können, aber dadurch, dass auch Jüngere mitgespielt haben, ist dies schnell verziehen, denn das Publikum war sowohl während des Stücks sowie auch danach deutlich angetan von dem Stück. Insgesamt präsentieren die Wahlpflichtkurse ein sehr wichtiges Thema, besonders für ihre Altersgruppen, und wirken nach außen hin durch ihre ständige Präsenz und Energie deutlich überzeugend. Es ist sehr wünschenswert, dass die Gruppe das Stück weiterhin aufführen würde, damit das Thema mehr in den Fokus von anderen Schüler*innen rücken könnte und die Gruppe ihre große Spielfreude weiter ausüben könnte.
geschrieben von Fiona, Schülerin der Henriette-Breymann-Gesamtschule
