Rezension zu „T.Rolle – eine Höhlenwanderung“

Welche Trolle spielst Du?

Düsterer, geheimnisvoller und höchst wirkungsvoller Auftakt mit Nebeleinsatz und Höhlenkulisse. Die Klasse 9ku des Gymnasiums im Schloss Wolfenbüttel unter der Leitung von Michaela Röper, Christian Krüger und Sven Bode lässt keinen Zweifel daran, uns in eine andere Welt zu entführen, in die Welt der nordischen Fabelwesen.

Und so stellen sie sich nacheinander in Gruppen vor, stets beginnend mit kreativen, äußerst gelungenen Bewegungschoreografien, welche die Grundhaltungen und -eigenschaften des jeweiligen Trollvolkes andeuten, im Anschluss kleine Szenen aus ihrem Alltag, die mit einem gemeinsamen Identifikationssong, meist chorisch gesungen, enden.

So lernen wir die Lebenswelten der Pinky-Trolle, einer stereotypen Mischung aus DreamWork-Trolls und Cheerleadern sowie die Welt der Eistrolle, inspiriert durch Disneys „Eisprinzessin“, etwas näher kennen.

Die dritte Station der Höhlentour führt uns zu den „klassischen“ Bergtrollen, tumb im Denken und in der Bewegung und furchtbar misanthropisch.

Zu guter Letzt vereinigt ein großer finaler Songpotpourri die drei Trollvölker im gemeinsamen Gesang.

Bei alledem das wechselnde Bühnenbild schlicht genial hergestellt aus Altkartons und Rettungsdecken.

Die Gruppe wählte die Figuren der Trolle in all ihren Gemeinsamkeiten und Individualitäten, um aufzuzeigen, dass es auch bei Menschen täglich darum geht, Rollen anzunehmen, in Rollen zu schlüpfen, Rollen zu spielen und stets dabei abzuwägen, inwiefern man den Rollenerwartungen Anderer entsprechen sollte oder eben nicht.

Was ist, wenn ich mal aus der Rolle falle? Was ist, wenn ich den an mich gestellten Erwartungen nicht entsprechen kann?

Die muntere Spielgruppe beantwortet diese und andere Fragen auf recht unterschiedlichen Ebenen: so berichten Einzelne, was ihr „innerer Troll“ gerne machen würde. An anderer Stelle steht das Spiel um (Gender-) Stereotypen im Mittelpunkt. So gibt es bei den Pinky-Trollen auch Jungs, die ein Tutu tragen, geschminkt sind und ihre Haare hochtoupiert haben, sodass sie vllt. nicht dem erwarteten Rollenbild entsprechen, um im nächsten Moment unter „Trolljungs“ mit Video- und Fußballspielen alte Rollenklischees auszufüllen.

Und hier wünschte man sich klarere Statements, wie übrigens auch bei den liebevoll zusammengestellten Kostümen und typischen Körperhaltungen. Während bei Letzteren die Bergtrolle im Spiel und Aussehen „ganz Troll“ sind und bleiben, weicht dieses klare Bild bei den Eistrollen schon ein wenig auf und lässt sie untrolliger wirken.

Ihnen und vor allem den weiblichen Pinky-Trollen hätte beim Styling ein wenig mehr Mut zur Hässlichkeit, zum Trollsein gut getan – eben mehr Troll und weniger Barbie. Schließlich sind doch nur Trolle auf der Bühne, die gemeinsame Wurzeln, Grundbedürfnisse und vllt. Ziele und Träume haben.

Und so stellt sich der Zuschauende die Frage: welche Trolle stecken auch in mir?

geschrieben von Matthias Geginat

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