Rezension zu „Masut“

„Unser Schicksal heißt Masut“

Sanfte Gitarrenklänge, Donnergrollen. Eine reich gedeckte Tafel, in blaues Licht getaucht. Die Einladung zu einem Familientreffen anlässlich des Todes des Besitzers des Familienwohnsitzes wird verlesen.

So beginnt das von der Spielleitung Nikita Schlosser selbstverfasste Stück „Masut“, das die Acting AG des Hoffmann-von-Fallersleben-Gymnasiums am Dienstagvormittag unter weiterer Leitung von Christine von Samson-Himmelstjerna und Anna Molnar im Roten Saal zeigt. Es geht um das Testament von Ilja Kuznezow und um ein Ölfeld, das unter dem Anwesen zu finden ist. Gleichzeitig ist die Russische Revolution Anfang des 20. Jahrhunderts Thema, denn die Kinder der Familie gehören den unterschiedlichen Fraktionen an. Da ist Streit natürlich vorprogrammiert. So ganz weiß man aber nicht, welcher Kampf denn jetzt wichtiger ist – der um die politischen Ansichten oder der um das Erbe.

Die dargestellte Familie zeigt die üblichen klischeebehafteten Mitglieder: Da ist zum Beispiel die resolute Großmutter, der betrunkene Onkel, die eingebildete Tante und das kaum beachtete Mädchen, das einmal eine feine Dame werden möchte, zusätzlich zu den drei Geschwistern, von denen zwei zu den Kommunisten und einer zu den Zarentreuen gehören. Gemeinsam mit der Dienerschaft und einem deutschen Bankier treffen sich alle, um das Testament zu hören: Alle müssen sich auf einen einzigen Erben einigen, sonst erbt niemand. Da erwartet man nun Intrigen, Absprachen, Geheimnisse, die ans Licht kommen – schließlich glaubt jede und jeder, die richtige Person dafür zu sein. Tante Daria plant nun auch, die Verwandten zu vergiften und so eine Unterschrift zu erzwingen. Der Plan wird jedoch vereitelt, weil Oma zu hungrig war und frühzeitig vom Stuhl kippt – und sofort wissen alle, dass die Tante dahintersteckt. Weiter wird dieser Erzählstrang nicht verfolgt, denn alle müssen vor den Kommunisten fliehen, die es auf das Öl unter dem Haus abgesehen haben. Die wurden von Nikolai informiert, der aber im letzten Moment auf seinen zarentreuen Bruder hört und den Angriff verrät, woraufhin ein Kampf zwischen den politisch ungleichen Brüdern ausbricht. Letztendlich versöhnen sich alle und sind sich einig: Familie ist am wichtigsten.

Die Schüler*innen zeigen ob der Masse des Textes Durchhaltevermögen, können aber leider ihr spielerisches Potential, das immer wieder zu sehen ist, kaum ausschöpfen. Die Figuren bleiben zu flach, zu schablonenhaft, die Masse an Requisiten kann dies nicht ausgleichen. Der Fokus liegt erkennbar auf dem Text, für emotionales und körperliches Spiel bleibt da nur wenig Raum. Lobenswert sind die live vorgetragenen Songs, die das naturalistische Spiel und die ansonsten sehr dramatische Musik angenehm brechen und gut performt werden. Auch die Präsenz der Gruppe ist trotz der Länge vorbildlich. Somit lobt der lange Endapplaus zu Recht die Leistung der Schüler*innen. 

geschrieben von Melanie Knop

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