Rezension zu „Patient Patients“

Die Rückkehr zu echten Momenten – gelingt sie uns noch oder sind wir Opfer unserer Bildschirmzeit?

Die IGS Peine empfängt uns mit jazziger Klaviermusik und weißgekleideten, am Boden liegenden Spieler:innen. Das Stück “Patient Patients” unter der Leitung von Matthias Kunz beginnt mit verschiedenen Handyweckern, gefolgt von choreographischen Alltagselementen, die bereits sehr überzeugend die Taktung und Verdichtung der Gen-Z ankündigen. Die Uhr checken, Haare machen, Pickel ausdrücken, Telefonieren, Scrollen, ein nie endender Stress, der die Jugendlichen immer enger zusammenrücken lässt.

In welche Bereiche ihres Lebens sich dieser Stress ausbreitet, zeigt die Gruppe in energetisch, starken und sehr schnell aufeinander folgenden Bildern, die teilweise dem Wischen in Social Media gleichen. Dabei werden wichtige Themen der Zukunft, wie Abi, Studium, Ausbildung, Rente und Familienplanung benannt, aber auch die Erwartungen der Eltern nicht außer Acht gelassen und überspitzt in einer Art Battle „Mein Kind ist das Beste“ dargestellt. Der thematisierte Alltagsstress kann in psychischen Erkrankungen münden, wird aber durch lapidare Ratschläge aufgefangen:

„Trinken Sie doch mal ein Glas Wasser.“ Oder „Wassertrinken hilft!“

Auf kreative Weise werden die unterschiedlichen Arten der Handynutzung ins Bild gesetzt, etwa indem Emojis live performed oder Reels körperlich dargestellt werden.  Musikalisch überzeugen die Darsteller:innen durch stressiges Bildschirmtippen, das zuerst für Irritation sorgt, dann aber zu einem gleichmäßigen Rhythmus wird. Ein Flügel stützt hierbei die Untermalung verschiedener Szenen auf atmosphärisch dichte Weise. Höhepunkt bildete ein anfeuernder Chor, der versucht einer einzelnen Spielerin bei ihren Zukunftsentscheidungen zu helfen. 

Momente des Innehaltens stehen hier im Kontrast zu Nachrichtenflut, Bad News und Weltschmerz, die letztendlich in einem Burnout enden, welches durch eine abwechslungsreiche Bewegungsszene verdeutlicht wird. Alles in allem wurde eine große Bandbreite an tollen Inszenierungsideen gezeigt, für die man sich als Zuschauer zwischendurch etwas mehr Zeit gewünscht hätte, dennoch zeigten sich die Spielenden sehr motiviert, witzig und traten als dichtes und gut aufeinander abgestimmtes Ensemble auf.

Am Ende retten nur noch die „echten Momente“ viele Spieler:innen wieder in das reale Leben zurück, aber eben nicht alle. Einige bleiben eben doch Patienten. 

geschrieben von Juliane Trikojat, Franziska Baumgartner und Nadine Eckelt

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