Rezension zu „Das ist normal!?“

Mitreißende Bilder, starke Texte und voller Körpereinsatz

Mit ausdrucksstarken Tanzchoreografien überzeugten heute Vormittag in der Brunsviga die Schüler*innen des DS-Kurses aus dem 12. Jahrgang vom Gymnasium im Schloss. Unter der Spielleitung von Katharina Kabatnik inszenierte der Kurs eine überaus atmosphärische Szenencollage, in der unterschiedliche Machtverhältnisse bildstark auf die Bühne gebracht wurden. 

Hierbei wurde deutlich, dass dieses Ensemble ausgezeichnet die interne theatrale Kommunikation beherrscht: Wie aus einem Guss tanzten die Schüler*innen expressiv über die Bühne, sendeten starke Körperimpulse aus oder nahmen eben jene auf, um auf sie wiederum in entsprechender Weise zu reagieren. Dabei zeigten sie exzellent ihr breites Repertoire aus zeitgenössischen Tanzformen, an Standardtänzen orientierten Bewegungsfiguren und tänzerischem Körpertheater. Diese dynamischen lauten Szenen konnten die Schüler*innen effektvoll mit etwas ruhigeren Tableau Vivants kontrastieren, in welchen pantomimische Handlungen des körperlich anstrengenden Arbeitens und des unterwürfigen Dienens gezeigt wurden.

Neben dem spürbaren Körpereinsatz waren zudem die Vorträge der selbstgeschriebenen Texte aus dem Bereich der Slampoetry ein Highlight. Gekonnt inszeniert und hervorragend gesprochen sorgten gerade diese Momente für starke Emotionalität und gaben Einblicke in die entscheidenden Themen der Akteur*innen: Reue, Selbstzweifel und Unsicherheit, z.B. hinsichtlich des Erwachsenwerdens. Erstaunlich persönliche Themen behandelten die Schüler*innen in ihren Texten und boten diese so selbstbewusst und ausdrucksstark dar, dass das Publikum merklich in den Bann gezogen wurde.

Aber wie passt all das zusammen? Als Thema wird im Einstieg die Frage aufgeworfen, „Was verstehst du unter Klassenkampf?“, worauf ein Stimmengewirr reagiert, was die Frage eigentlich noch interessanter werden lässt. Kritisch anzumerken wäre, dass dieser Faden im restlichen Stück zu wenig aufgenommen wird. Behandelt werden dagegen eher Machtgefälle zwischen den Geschlechtern, gewisse Abhängigkeitsmodelle wie etwa die Selbstermächtigung marionettenhafter Figuren gegen ihren despotischen Puppenspieler oder die Umkehrung des Verhältnisses zwischen Diener*innen und Meister*innen.

Die Szenencollage der Schüler*innen vom Gymnasium im Schloss lässt das Publikum am Ende zwar etwas fragend zurück, jedoch dominieren die Eindrücke des dynamischen Arrangements. Unterstützt durch passende Musik und getragen durch eine bewusste Raumnutzung gelang den Spieler*innen eine erstaunliche Präsentation ihres Könnens hinsichtlich des Physical Theatres und des Poetry Slams, sodass sie eine dichte, körperlich und emotional mitreißende Atmosphäre kreierten. Ein gelungenes Stück Theaterarbeit mit verdientem Applaus.

geschrieben von Sebastian Schrader

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