Rezension zu „Medea – Mutter. Macht. Magie und Mord“

„Ich bin, wozu du mich gemacht hast!“

Brangelina goes Griechenland

Frei nach Euripides’ Tragödie lädt die AG Antikes Theater des Wilhelm-Gymnasiums zu „Medea — Mutter. Macht. Magie und Mord“ in den Roten Saal, um mit dem bunt durchmischten Publikum Aufstieg und Fall des Powercouples MedSon mitzuerleben. Bemerkenswert, wie dieses Vorhaben in Anbetracht des sprachlichen und inhaltlichen Schwergewichts dem Ensemble, bestehend aus Schüler*innen unterschiedlicher Jahrgänge, auch dank der eigens angepassten Sprache gelingt.

Jede Figur wird dabei bis ins Ende voll ausgespielt — sei es die maliziös und auf Rache sinnende Medea, der opportunistische, sich einschmeichelnde Iason oder die sich abfeiernde Götter-Gang. Hervorzuheben ist hierbei die spielerische Dynamik, welche die doch komplexe Handlung trägt, wenngleich einige Blacks und Umbauphasen weniger noch etwas mehr Tempo in die sich anbahnende Katastrophe bringen würden. So fiebert man dem fulminant inszenierten Ende, das Iason als großen Verlierer seiner eigenen Intrigen entlarvt, stellenweise etwas zu lange entgegen. Die Gruppe spart dabei konsequenterweise auch Medeas Mord an ihren eigenen Kindern nicht aus, stellt aber die Frage nach Verantwortung und Schuld. So hält Medea im Abschlussdialog mit ihrem sie betrügenden, machtgierigen Partner Iason nicht grundlos fest: „Ich bin, wozu du mich gemacht hast!“

Mit mehr Mut zu stärkeren Bildern wäre sicher noch größerer Raum für die Spielfreude des eingespielten Ensembles gewesen. Dennoch gelingt der Gruppe ein unterhaltsamer Theaterabend, den das Publikum mit enthusiastischem Applaus honoriert.

geschrieben von Sophie Gittermann & Juliane Trikojat

 

Wenn man von der Liebe verraten wird

„Medea – Mutter.Macht.Magie und Mord“ heißt das Stück, welches die AG Antikes Theater des Wilhelm-Gymnasiums am Montag, dem 03.06.24 im Roten Saal des Braunschweiger Schlosses präsentiert hat. Mithilfe von Sören Conrad, Steffen Bröring, Michai Tofan und Greta Schrank gelang es den Schüler*innen, die alte Geschichte von Euripides wieder aufleben zu lassen. Eine alte Geschichte mit neuen, modernen Elementen in Sprache und Kostüm, welche im Publikum für das ein oder andere Lachen gesorgt haben.                                           

Medea tut alles für ihren Ehemann Iason. Sie hilft ihm gern Rache zu nehmen, und da sie Magierin ist, ist es ein leichtes für sie, Iasons Onkel zu töten, damit Iason König werden kann. Doch ihre Tat fliegt auf und so fliehen sie ins Königreich Korinth. Hier sieht Iason eine neue Gelegenheit, den Thron zu besteigen. Er muss Prinzessin Glauke heiraten. König Kreon von Korinth unterstützt ihn. Und so will er seine Frau mit seinen Kindern wegschicken, aus Angst sie könnte sich rächen. Die Angst ist berechtigt. Am Tag der Hochzeit ermordet Medea Glauke und Kreon und später ihre Kinder, die sie in die Tat verwickelt und sonst qualvoller ermordet worden wären. Alles, damit Iason allein dasteht. Beobachtet wird das ganze stets von verschiedenen Göttern, die sich im Olymp größtenteils darüber amüsieren, was geschieht. Doch Helios der Sonnengott ist der Großvater von Medea und hilft ihr am Ende nach Athen zu fliehen, wo sie von Aigeus, dem König empfangen wird. Mit dem Stück wird einem der Feminismus etwas nähergebracht. Medea zeigt, dass Frauen Männern nicht bis auf den Tod hinterherlaufen, sondern stattdessen für sich einstehen sollten.

Die Geschichte von Medea ist alt und beschäftigt sich mit der noch älteren griechischen Mythologie. Doch gerade die griechischen Götter haben einem in dem Stück viel zum Schmunzeln gegeben. Dionysos ist unter anderem der Gott des Weines und scheint während des ganzen Stückes angetrunken zu sein, weshalb er keine Hemmungen hat, immer wieder lustige Kommentare abzugeben. Hermes kommt daneben mit Propellercap auf die Bühne, und so haben sie das Stück neben der sonst ernsteren Handlung immer wieder aufgelockert.                    Auch die Kostüme der anderen Darsteller haben größtenteils gut zu ihren Figuren gepasst, so dass es auch mit ganz unterschiedlichen Stilen zusammen gut harmonierte. Ebenso wie das Bühnenbild, welches insgesamt aus nur wenigen Elementen bestand. Sie hatten einen guten Wiedererkennungswert, weshalb man auch mit vielen Ortswechseln verstand, wo man sich gerade befand. Der Raum wurde dabei voll und ganz ausgenutzt. Auf der Bühne haben sich die Darsteller gut verteilt, und auch der Raum vor der Bühne sowie am Ende auch die andere Seite des Raumes wurden mit eingebunden. Besonders kreativ war die Hütte vom Orakel. Durch chemische Reaktionen ist eine Art leichter Nebel über den Erlenmeyerkolben entstanden. Als das Orakel gesprochen hat, wurde die Stimme verstärkt und mit verschiedenen Tonelementen unterstützt. Dies hat im Publikum eine geheimnisvolle und fast magische Wirkung erzielt. Eine ähnliche musikalische Unterstützung in weiteren Szenen hätte die Stimmung und das Eintauchen in das Geschehen für das Publikum noch besser und einfacher gemacht.  Außerdem empfehle ich in Zukunft die Lichttechnik vorher häufiger durchzugehen. Das Licht wurde zwischen den Szenen, beim Umbauen mehrmals zu früh wieder angemacht, und die Farben haben oftmals nicht zur Szene gepasst und wurden schnell umgeschaltet, so dass es wirkte, als wisse man nicht, welchen Knopf man drücken musste. Dies ist zwar etwas schade, allerdings haben sich die Darsteller*innen nicht davon irritieren lassen und somit ist es nicht ganz so stark aufgefallen. Jeder ist zu jedem Zeitpunkt professionell und in seiner Rolle geblieben. Das Spiel unter den Darsteller*innen hat perfekt funktioniert. Jeder hat sein Bestes gegeben, und zugleich haben Mimik und Gestik dafür gesorgt, dass die Emotionen voll und ganz im Publikum ankamen. So hat man sogar die Wut und Mordlust in Medeas Augen gesehen, als sie an ihren nächsten Plan dachte.

Insgesamt ein sehr gelungenes Stück, bei dem man deutlich sehen konnte, wie viel Mühe dahintersteckt. Bei mir sind alle Emotionen rübergekommen. Ob Wut, ob Angst, ob Trauer oder Freude.

geschrieben von Fenja von der Henriette-Breymann-Gesamtschule

 

Medea – eine Tragödie, in der Verzweiflung zur Rache führt 

Es ist dunkel, zu sehen sind nur ein Tisch und ein kleiner Schrank, als der Erzähler die Bühne betritt. Er lädt die Zuschauer*innen ein, in die Geschichte Medeas einzutauchen, berichtet dabei von der Liebe, dem Verlust und der Rache, aber auch von Göttern, die am Olymp all diese Dinge nicht nur mit ansehen, sondern auch beeinflussen. Doch gerade als der Zuschauer zu glauben vermag, dass dies bereits das Ende sei, verlässt dieser die Bühne, und die Sage “Medea” beginnt, den Zuschauer in ihren Bann zu ziehen.

“Medea – Mutter. Macht. Magie und Mord” lautet das Stück des Wilhelm-Gymnasium in Braunschweig, welches von der AG „Antikes Theater“ präsentiert wurde und auf der  Tragödie „Medea“ von Steffen Bröring basiert, einer  Nacherzählung aus der griechischen Mythologie. Die Spielleitung wurde von Sören Conrad, Steffen Bröring, Michai Tofan und Greta Schrank übernommen. Das Stück entführt den Zuschauer in die Zeit des alten Griechenlands. Doch neben Städten wie Athen und Korinth spielt auch der Olymp eine große Rolle bei den Darstellungsorten, zu denen der Theaterkurs die Zuschauer auf eine Reise mitnimmt.

Medea ist eine Zauberin aus der griechischen Mythologie. Als sie und ihr Gemahl Iason den Thron von Iasons Onkel Pelieas ergattern wollten, trickste Medea die Töchter Pelieas’ geschickt aus und brachte sie so dazu, unwissentlich ihren eigenen Vater umzubringen. Daraufhin mussten Medea, Iason und ihre beiden Söhne die Stadt verlassen und Zuflucht bei König Kreon von Korinth und seiner Tochter Glauke suchen. Im Verlauf des Stückes verlässt Iason die Zauberin Medea für die Königstochter des Königs von Korinth und lässt sie sowie ihre Kinder aus der Stadt verbannen. Innerhalb von 24 Stunden plant diese dann ihre Rache und bekommt dabei Unterstützung von dem Sonnengott Helios und der Göttin Hera. Bei ihren Plan tötet sie Kreon, seine Tochter und ihre eigenen Kinder, bevor sie dann die Flucht auf dem Wagen des Sonnengottes Helios antritt und in Athen bei König Aigeus unterkommt.

Die Bühnenbilder hatten immer eine klare Identifizierung, um dem Zuschauer zu zeigen, wo man sich gerade befindet. Angefangen mit der Stube, in der der Erzähler anfing, dem Zuschauer die Geschichte Medeas vorzustellen, diese diente gleichzeitig auch als Stube des Hauses, in dem Medea mit ihrer Familie lebte. Diese war sehr schlicht gehalten, zu sehen waren auf dem bereits erwähnten Schrank unterschiedliche Gefäße mit verschiedenen Mixturen an Tränken, welche Medea für verschiedene Tätigkeiten zusammenmischte. Des Weiteren gab es den Olymp, bei dem sich Götter wie Hermes, Aphrodite, Hera, Zeus und Dionysus aufhielten. Der Olymp war ausgestattet mit einer Art von Sitzkissen und Stühlen; in einigen Szenen befand sich zudem noch ein Bierkasten und eine Vase mit Wein auf der Bühne, um Dionysos, den Gott des Weins, der Freude und der Trauben, in seiner Figur zu repräsentieren. Orte, in denen ein Seher oder ein Orakel dargestellt wurden, waren mit jeweils nur einem Stuhl dargestellt, wobei das Orakel um ihren Stuhl verteilt noch verschiedene Tränke stehen hatte, aus denen Rauch aufstieg. Das Schloss des Königs von Korinth hatte nur zwei Stühle als eine Art von Thron. 

Die Besetzung der einzelnen Rollen war nahezu perfekt. Die Darstellenden zeigten zudem eine beeindruckende Bühnenpräsenz. Sie zeigten passende Mimik und Gestik, wobei gerade die Darstellerin der Medea besonders herausstach. Zudem sprachen die Darsteller*innen laut und deutlich, was zu einem guten Verständnis der Handlung führte. Hierbei fiel die Art der Sprache auf, denn obwohl dieser sehr verständlich war, gab es keine wirkliche Einheit in der Wahl der Sprache. In dem Stück fiel dabei häufig auf, dass eher eine „ältere“ Sprachart verwendet wurde und manchmal dann für einen kurzen Moment zu einer modernen Umgangssprache gewechselt wurde. Hier hätte ich mir gewünscht, dass es eine klare Sprachverwendung gegeben hätte, da dies eher ein Gefühl des Durcheinanders gegeben hat. Dieses Fehlen von Einheit hat mir leider auch bei den Kostümen gefehlt. Auch hier kam es zu sehr unterschiedlichen Darstellungsweisen der Figuren. Während der Großteil auf Kostüme mit einem Hauch von griechischer Antike gesetzt hat, gab es leider auch einige Figuren, die moderne Kleidung getragen haben, was nicht ganz in das Bühnenbild gepasst hat. Dennoch fand ich, dass gerade die Götter fantastisch dargestellt wurden. Sofern man sich mit der griechischen Mythologie auskennt, konnte man alle Götter erkennen. So trug die Darstellerin von Aphrodite ein rosafarbenes Kleid, Hermes trug einen Hut mit einem Propeller, Zeus die für ihn typischen Blitze am Kopf, und auch Hera sah sehr edel gekleidet aus. Dies führte zu einer klaren Unterscheidung der Götter und zu einer tollen Veranschaulichung. Ferner sah man, wie sehr sich die Darsteller*innen mit ihren Figuren beschäftigt haben, was zu einer tollen Verkörperung führte. Hera war mir dabei besonders aufgefallen, welche nicht nur eine beeindruckende Bühnenpräsenz hatte, sondern auch ihre Diskrepanzen mit ihrem Mann Zeus, aber auch Iason und Aphrodite, auf eine einzigartige Weise rüberbrachte und somit auch die Macht ihres Charakters auf der Bühne zeigte.

Des Weiteren haben die Darsteller*innen des Stückes den Raum ausgiebig genutzt. Nicht nur haben sie die Bühne von verschiedenen Seiten betreten, sondern auch ihre Verkörperung vor der Bühne fortgeführt, sowie auch am Ende das andere Ende des Raumes. Sie haben somit nicht nur die Bühne zu ihrem Raum gemacht, sondern den ganzen Raum, was den Zuschauer noch näher an die Sage herangeführt hat. Trotz der Raumnutzung gab es an manchen Stellen Probleme mit dem Licht, welches häufig zu früh angeschaltet wurde und daher oft Zeit gekostet hat. Zudem gab es häufig kein passendes Licht zu verschiedenen Szenen, so wurde blaues Licht verwendet, diebwohl es nicht traurig war, was dazu geführt hat, dass es eine eher unklare Szenendarstellung war. Positiv zu erwähnen ist aber, dass der Scheinwerfer immer gut ausgerichtet war, auch als die Szene sowohl auf der Bühne als auch am anderen Ende des Raumes gespielt wurde. Der Einbezug von Musik und Soundeffekten war meistens gut gewählt, jedoch wäre es besser vermittelt worden, wenn die Musik oder der Sound nicht abrupt geendet hätten, sondern eher immer leiser geworden wäre und es damit nicht zu einem fast abgeschnittenen Effekt geführt hätte. 

Insgesamt hat mir die Aufführung wirklich gut gefallen, da man in meinen Augen auch eine klare Begeisterung bei den Darsteller*innen bemerkt hat und auch eine wirklich bemerkenswerte Befassung mit dem von ihnen verkörperten Figuren, sodass sie und die Figuren eins wurden. Auch wenn nicht alles nach Plan verlief, würde ich mir ein Stück, verkörpert von dem „Antikes Theater“-Kurs, immer wieder anschauen. 

geschrieben von Leonie von der Henriette-Breymann-Gesamtschule

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