Rezension zu „LG, aber keine Lieben Grüße“

Würden Sie sich einer Klimaprotestbewegung anschließen?

Wir befinden uns in einem Gerichtssaal. Angeklagt ist Lisa, eine junge Aktivistin der Klimaprotestgruppe “Letzte Generation”, die sich für die Beteiligung an einer Straßenblockade am Braunschweiger Bohlweg verantworten muss.

Wie es zu dieser Anklage kommen konnte, zeigen die Schüler*innen des Darstellendes Spiel-Kurses Jahrgang 12 der Sally-Perel-Gesamtschule in ihrer Produktion “LG, aber keine Lieben Grüße”. Als Aktivist*innen der „Letzten Generation“ (der im Titel angesprochenen LG) in Warnwesten und mit Flugzetteln in der Hand, versuchen die Spieler*innen, das Publikum dazu  zu bringen, den Klimanotstand zu erkennen. Gemeinsam werden Protestlieder gesungen, Parolen gerufen und Sitzstreiks fürs Klima veranstaltet.

Nicht zu kurz kommt dabei auch die Thematisierung der eigenen Position im Gefüge der Protestbewegung: Welchen Einfluss hat mein Aktivismus auf meine Freundschaften? Wie weit würde ich für meinen Aktivismus gehen? Wie gehe ich mit Gegenwind um? Nicht nur anhand der lauten Gegendemonstration, die auf der Bühne gezeigt wird, sondern auch in der Thematisierung von Polizeigewalt gegenüber Demonstrierenden wird die differenzierte Auseinandersetzung der Schüler*innen mit den Protesten der Letzten Generation erkennbar.

Noch nach Verkündung des Urteils, dass Lisa sich durch ihre Blockade schuldig gemacht hat und zu 2 Monaten Bewährung und 30 Tagessätzen verurteilt wird, ist erneut das Publikum gefragt, ob die Verurteilung Lisas gerecht sei. Nach einem durchaus gemischten Ergebnis dann die alles entscheidende Frage:  Würden Sie sich einer Klimaprotestbewegung anschließen? Auch die Schüler*innen selbst finden hier keine klaren Antworten. Einige könnten sich das schon vorstellen, suchen jedoch nach gewaltfreien, legalen, „den richtigen“ Wegen des Protests. Anderen fehlt der Mut, ihnen ist der Protest zu gefährlich. Eines eint die Spielenden jedoch: Die Anerkennung, dass der Kampf gegen den Klimawandel einer ist, den es zu kämpfen gilt. Auf welche Weise, das bleibt den Einzelnen überlassen.

“LG, aber keine Lieben Grüße“ verhandelt die Positionen junger Menschen zu einer Protestbewegung, die ebenso polarisierend wie relevant die Frage aufgreift, wie weit wir für den Erhalt unseres Planeten gehen würden, und regt dazu an, seine eigenen Auffassungen dahingehend zu hinterfragen.

geschrieben von Kenny Bundschuh

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