Imagine, wir würden gemeinsam das Klima retten
There is no planet B! – Die Message der Theater-AG von der Großen Schule aus Wolfenbüttel wird in ihrem Stück „Die Klimaformel“ von Beginn an mehr als deutlich. Sie erzählen die Geschichte vom Angriff auf den Wissenschaftler, der den Raub seiner Klimaformel zur Folge hat. Ohne die scheint die Klimakatastrophe nicht mehr zu stoppen zu sein, oder?
Bei der Verfolgung des Diebs begegnen die Agent*innen immer wieder Situationen, die ihnen das Ausmaß und die Gründe für die Klimakatastrophe deutlich vor Augen führen und eine Auseinandersetzung fordern: Wann ist Fliegen noch okay? Wie viel Schaden richtet eigentlich Fast Fashion an? Sind wir uns der Auswirkungen auf Mensch und Natur überhaupt bewusst?
Schnell und fragmentarisch werden diese Themen in „Die Klimaformel“ aneinandergereiht, Fragen aufgeworfen, Ansätze gezeigt – als Zuschauer*in hätte man sich hier noch etwas mehr Zeit für die Auseinandersetzung mit all diesen Aspekten gewünscht. Kurze Dialoge und Bewegungen deuten an, dass hier noch stärkere Bilder möglich gewesen wären. Diese Längen darf man dem Publikum gern zumuten, weil die Gruppe es bereits in den Fragmenten immer wieder schafft, besondere Momente zu kreieren. Die wiederkehrenden Fakten einer Wissenschaftlerin in Form einer angedeuteten Lecture Performance haben dennoch Denkprozesse im Publikum angeregt.
Am Schluss geht es dem Wissenschaftler wieder gut und auch der Dieb samt Klimaformel ist geschnappt – Happy End also? Denkste! Die Klimaformel stellt sich als Einkaufszettel des Wissenschaftlers heraus und allen wird klar: Eine Formel, die unser Klima rettet, gibt es nicht. Da müssen wir alle ran und so endet das Stück in beeindruckender Atmosphäre mit John Lennon’s „Imagine“: Eine Darstellerin spielt Gitarre und beginnt zu singen, nach und nach steigt auch das übrige Ensemble ein – ruhig und klar mit abgewandeltem Text, der das Publikum mit Hoffnung und Mut, aber auch mit einer Schwere entlässt: „Imagine all the people caring for the world“. Insbesondere die musikalischen Einlagen und das liebevolle Miteinander der Schüler*innen unterschiedlicher Jahrgänge auf der Bühne rührt und lässt die teilweise fehlende Tiefe in der Auseinandersetzung vergessen. Sicher noch mit etwas Gänsehaut an den Armen belohnt das Publikum die Spieler*innen mit lautem Applaus und wir versichern euch, dass wir an eurer Seite stehen, um gegen die Klimakatastrophe zu kämpfen. Danke, dass ihr den Bühnenraum für so ein wichtiges Thema genutzt habt!
geschrieben von Sophie Gittermann
Die Klimaformel
Die Schülerinnen und Schüler der Theater AG der großen Schule zeigten heute Vormittag im Roten Saal, dass es keine einheitliche Klimaformel gibt.
Das Stück startet mit einer leeren Bühne, nur eine Leinwand, welche Fotos von Klimakatastrophen zeigt, ist zu sehen. Im Hintergrund läuft das Lied „Earth Song“ von Michael Jackson. Im Folgenden betreten drei Tänzerinnen sowie zwei Darstellerinnen, die Klimakleber, und zwei Darstellerinnen, die einen Protest darstellen, die Bühne. Alle Darstellerinnen stehen bzw. sitzen komplett still, während die Tänzerinnen zu diesem Lied und dem Lied „Beggin“ eine Choreografie zeigen. Das ganze scheint eine Art Intro für das Stück zu sein, den Tanz fand ich jedoch etwas fragwürdig und unpassend.
In der nächsten Szene wird Professor Weber von einer mysteriösen Person mit einer pinken Perücke vergiftet, außerdem wird ihm etwas aus seiner Tasche gestohlen. Das ganze Stück beschäftigt sich nun damit, den gestohlenen Gegenstand, welcher angeblich die Klimaformel sein soll, an der der Professor schon länger arbeitet, wieder zu finden. Zuerst sucht die riesige Agentengruppe in einem Skigebiet, sie schicken zwei Agenten los, welche sie dann per Skype erreichen wollen. Dies war meiner Meinung nach total kreativ und schlau gelöst. Der Skype-Anruf war ein Video der beiden Darsteller, welches sie zu einem früheren Zeitpunkt tatsächlich in einem Skigebiet aufgenommen haben.
Nach jedem neuen Ermittlungsort liest eine Darstellerin, aufgemacht als Nachrichtensprecherin, Fakten zu diesem Gebiet oder dieser Tätigkeit vor, die dem Klima schaden. Anfangs hat mich dies sehr verwirrt, da man dieses Nachrichtensprecher-Outfit nicht direkt identifizieren konnte.
Als nächstes suchen sie den Täter auf einer Modenschau. Zu dem Lied „Fashion“ von Britney Manson laufen die Agent*innen über den Laufsteg, jede*r mit einem Schal oder einem anderen Kleidungsstück. Nach dieser Szene spricht die Nachrichtensprecherin erneut. Die Figuren kommen dadurch zu dem Schluss, dass Kleidertausch besser sei als sich immer wieder neue Klamotten zu kaufen. Dadurch entsteht eine lustige Szene, in der die Charaktere ihre verschiedenen Kleidungsstücke, die sie auf dem Laufsteg dabei hatten, untereinander austauschen. Der Täter flieht erneut und diesmal nach Hawaii, die Agenten freuen sich total auf diesen Traumurlaub, erneut entsteht dadurch eine wirklich lustige Szene. In Urlaubskleidung und mit passenden Accessoires stellen die Darsteller*innen eine Strandszene nach. Was mein persönliches Highlight war: Sogar der typische Sonnenbrillenverkäufer wurde bedacht. Die Szene endet abrupt durch einen Waldbrand, welcher durch Sound und die Leinwand vom Anfang dargestellt wird.
Die Darsteller*innen entfernen sich von der Bühne und nur eine weibliche Person mit einer Gitarre in der Hand, betritt sie wieder. Die Darstellerin singt und spielt gleichzeitig auf der Gitarre das Lied „I see Fire“ von Ed Sheeran. Diese Szene war sehr eingängig, da das Lied zu der vorherigen Szene extrem gut gepasst hat. Außerdem hat die Sängerin eine fabelhafte musikalische Leistung erbracht.
Die Nachrichtensprecherin erzählt nun von Waldbränden auf Hawaii, welche sich durch Tourismus immer weiter steigern. In der nächsten Szene eine Überraschung: Der Täter, welchem sie die ganze Zeit auf der Spur waren, ist eigentlich eine Agentin. Diese sagt, sie habe das ganze nur gemacht, da sie den anderen Agenten nicht trauen konnte. Die vermeintliche Klimaformel wird ihr entrissen und es kommt zur Pointe des Stückes:
Was dem Professor geklaut wurde, ist gar keine Klimaformel, sondern nur sein Einkaufszettel. Durch diesen Witz lernt man auch die Moral des Stückes: Es gibt keine einheitliche Klimaformel, welche man befolgen kann. Vielmehr muss jeder seinen eigenen Konsum und seine eigenen Taten überdenken. Durch das Ende des Stückes wird es nochmal abgerundet. Alle Darsteller*innen treffen sich zusammen auf der Bühne und singen das Lied „Imagine“ von John Lennon, welches natürlich extrem zu dem Stück passt.
Zu einem tosenden Applaus der Zuschauer*innen, der auch wirklich sehr lang ging, verbeugen sich die Darsteller*innen einige Male.
Die kleine Gruppe, die aus vielen Altersgruppen zusammengewürfelt war, hat sicherlich viele an diesem Tag zum Nachdenken angeregt. Besonders schade fand ich es deshalb auch, dass die Zuschauer*innen nur aus Eltern und Großeltern der Darsteller*innen und natürlich aus uns bestanden. Alles in allem ein sehr kreatives und durchdachtes Theaterstück, welches es definitiv verdient hatte, bei der Schultheaterwoche auftreten zu dürfen.
geschrieben von Anna-Fiona, Schülerin der Henriette-Breymann-Gesamtschule
POV: Wir hätten eine Klimaformel zum Stoppen des Klimawandels und damit zur Rettung des Klimas – Aber existiert tatsächlich eine Formel für das Klima oder bleibt es nur bei der Vorstellung?
Exakt dieser Frage gingen die Schüler* innen der Theater-AG der Großen Schule in Wolfenbüttel am vergangenen Mittwoch nach. Dabei erzählten die Schüler*innen die Geschichte des bestohlenen Professors, der die so genannte Klimaformel bei sich trug. Eine Gruppe von Agent*innen hatte nun die Aufgabe, den Dieb mit der Klimaformel zu fangen und damit das Klima zu retten. Im Laufe der Mission wurden die Agent*innen an verschiedenen Orten eingesetzt, wo sie mit den Ausmaßen des Klimawandels konfrontiert wurden. So waren von den Agent:*innen kreative Lösungen gefragt, um keine Klimasünden zu begehen und dennoch das Ziel, den Dieb zu fangen, zu erreichen. Am Ende der Mission schienen die Agent*innen erfolgreich gewesen zu sein – sie haben den Dieb gefasst. Doch die Freude währte nicht lang. Leider mussten die Agent*innen feststellen, dass der Dieb statt der Klimaformel einen einfachen Einkaufszettel in der Tasche hatte. Fazit: Es gibt keine Klimaformel – Auf den ersten Blick war das Ende des Stückes sehr enttäuschend. Ich hatte mich schon sehr darüber gefreut, dass es zumindest auf der Bühne vermeintlich einfache Lösungen für komplexe Probleme gibt. Aber genau dies ist die Message des Stückes: Es gibt nicht die eine Klimaformel. Der Weg ist das Ziel. Es kommt auf den individuellen Weg des einzelnen Menschen an, um das Klima bestmöglich zu schützen. Um diese wertvolle Message bei den Zuschauer*innen hervorzurufen, gingen die Schüler*innen wie folgt vor:
Das Theaterstück begann mit einer leeren Bühne. Einzig und allein eine Leinwand mit Bildern, welche die Ausmaße des Klimawandels zeigte, stand im Fokus. Das visuelle Zeichen der Bilder empfand ich persönlich als gelungen. Die Zuschauer*innen wurden so mit der Thematik des Stücks vertraut gemacht und konnten sich ferner innerlich auf das Kommende einstellen. Außerdem fand ich es sehr gut, dass reale Bilder verwendet wurden. Somit wurde deutlich, dass das Problem der Klimakrise nicht gespielt ist, sondern in diesem Augenblick passiert. Nach einigen Sekunden kamen Akteur*innen auf die Bühne und stellten besondere Narrative sowie Symbole aus der Klimakrise dar. Auch dieses Bühnenbild sah ich als gelungen an. Besonders positiv auffällig war, dass stets auf die kinetischen Zeichen innerhalb dieser Szene geachtet wurde. Die Mimik, Gestik sowie die Körperhaltung der Akteure spiegelten dabei die Ernsthaftigkeit des Klimawandels wider. Geglückt war ebenfalls das Bühnenbild hinsichtlich der Eisscholle und der Varietät der Höhenebenen. Negativ ist mir der Tanz der drei Schülerinnen aufgefallen, da ich diesen an dieser Stelle als unpassend sowie sinnfrei empfand. In der Szene darauf geschah der Überfall auf den Professor. Positiv in Erinnerung geblieben sind mir hier besonders die Kostüme. Man konnte sofort erkennen, dass es sich bei dem Akteur um einen Professor handelte. Auch die pinke Perücke hat sich in mein Gedächtnis gebrannt. Nach dem Überfall auf den Professor begann die Mission der Agent*innen. Im ersten Schritt der Mission kam es zu einem Treffen, indem alle Agent*innen auf der Bühne erschienen. Stimmig hierbei waren wieder die Kostüme – alle einstimmig in schwarz. Der erste Einsatzort befand sich im Skigebiet, in welches zwei der Agent*innen ausgesandt wurden. Diese haben sich dann per Skype mit den anderen in Verbindung gesetzt. Hierfür wurde ein visuelles Zeichen des Videos verwendet. Dieses Video wurde im Vorhinein in der Zeit, in der sie sich tatsächlich in einem Skigebiet befanden, von den beiden Akteur*innen aufgenommen. Dieses Stilmittel war meiner Meinung überaus kreativ und war überdies mein persönliches Highlight des Stückes. Innerhalb dieser Szene wurden ferner Requisiten wie beispielsweise das Handy zum Skypen verwendet. Dadurch wirkte die Szene, respektiv das Telefonat, authentischer. Als die Agent:*innen im Skigebiet den Täter nicht gefasst hatten, suchten sie ihn auf der Modenschau. Diese Szene besaß sämtliche Zeichen des Theaters. Beispielsweise wurde diese Szene durch buntes Licht und akustische Zeichen wie Musik unterstrichen. Auch schön anzusehen war die Proxemik, wodurch die Szene die Gestalt einer authentischen Modenschau annahm. Dementsprechend kann man auch hier sagen: gelungene Szene. Als die Agent:*innen den Täter auch nicht auf der Modenschau fassten, suchten sie ihn auf Hawaii. In Urlaubsbekleidung und den passenden Accessoires inszenierten die Akteur*innen eine lustige Strandszene. Unübersehbar hier waren wieder einmal die Requisiten. Von der Sonnenbrille bis hin zum Strandball war alles dabei. Lobenswert an dieser Stelle war wieder einmal die Beachtung der Eisscholle und die Varietät der Höhenebenen. Beendet wurde der Urlaub wegen starker Waldbrände. Die Urlauber*innen verließen die Bühne und ein Mädchen betrat mit einer Gitarre die Bühne. Die Darstellerin begann das Lied „I see fire“ von Ed Sheeran mit der Gitarre als Begleitung zu singen. Diese Szene empfand ich als besonders emotional und herzergreifend. Um einen Bezug zum Thema der Klimakrise herzustellen, gab es nach jedem Ermittlungsort eine Moderationsansprache, welche auf die Problematik des jeweiligen Ortes mit Fakten hinsichtlich des Klimas einging. Beispielweise wurde erwähnt, dass die Modeindustrie mit zu den größten Klimasünden zählt. Diesen jeweiligen Part empfand ich persönlich als sehr existenziell sowie interessant, da diese Ansprache den Zuschauer*innen vor Augen führte, welche Auswirkungen vermeintlich alltägliche Situationen auf das Klima haben. Für den Auftritt der Moderatorin wurden passende Requisiten wie die Moderationskärtchen verwendet. In diesen Szenen ist mir positiv aufgefallen, dass die Akteurin besonders textsicher mit ernstem Blick zum Publikum auftrat. In der letzten Szene wurde der Täter gefasst, welcher sich ebenfalls als Agent entpuppte, der seinen eigenen Leuten nicht traute. Es kam zum Höhepunkt des Stücks. Statt einer Klimaformel hielten die Agent*innen einen einfachen Einkaufszettel in der Hand. Es stellte sich nämlich heraus, dass gar keine Klimaformel existiert. Es liegt also in der Hand jedes Individuums, seinen eigenen Konsum und sein Verhalten gegenüber der Umwelt zu überdenken. Am Ende des Stücks kamen noch einmal alle Akteur*innen unter tobendem Applaus auf die Bühne und verbeugten sich mehrmals. Am Ende bleibt nur noch zu sagen, dass ich es sehr schade fand, dass sich diese Vorstellung nur sehr wenige Menschen angeschaut haben, da dieses Stück eine fantastische Message besaß und ein ernstes Thema kreativ und amüsant auf die Bühne brachte.
geschrieben von Joana, Schülerin von der Henriette-Breymann-Gesamtschule
