Rezensionen zu „Räume“

Im Rahmen des Kreativums entstand am CJD Braunschweig die Arbeit „Räume“. Schüler*innen des 10. Jahrgangs beschäftigen sich dabei mit unterschiedlichen Themen und gestalteten schließlich diverse Räume mit ihren Arbeiten. Hierbei arbeiteten die Kreatviumsgruppen Kunst, Musik, Theater und Technik zusammen.

Den Auftakt der einstündigen Präsentation machte die Musikgruppe. Hier konnte man als Zuschauer*in einen ersten Eindruck davon gewinnen, wie vielfältig im Kreativum gearbeitet wurde. Zu sehen war ein Mix aus bekannten, einstudierten Liedern, Selbstkomponiertem und Chorgesang. Im Anschluss daran wurde das Publikum in mehrere Kleingruppen aufgeteilt, um durch die weiteren gestalteten Räume geführt zu werden. Im Erdgeschoss und der ersten Etage erwarteten einen die Arbeiten der Kunstgruppe. Von gemalten Bildern, kleineren Zeichnungen, über Fotografien und Skulpturen, bis hin zu einem Escape Room, bei dem die Zuschauer*innen ein Rätsel lösen mussten, war dabei alles vertreten. Die Schülerinnen und Schüler nutzen dabei die Chance, dass die Räume ohnehin renoviert werden sollen und tobten sich in diesen künstlerisch aus. Auch das Publikum wurde aufgefordert sich mit einem eigenen Kunstwerk an den Wänden zu verewigen.

Im Dachgeschoss wurden von der Theatergruppe drei weitere Räume entwickelt, in denen das Publikum selbst Einfluss auf eine Handlung im angrenzenden Raum nehmen musste, um den/die Spieler*in oder die Spieler*innen aus diesem zu befreien. Dabei gab es im Raum für das Publikum einen Laptop, auf welchem mittels eines Programms Anweisungen an die Spieler*innen gegeben werden konnten. Die Zuschauer*innen hatten großen Spaß daran, zu entscheiden, welchen Gegenstand und welche Handlungsanweisung sie als nächstes auswählen. Die Spieler*innen gingen dann individuell auf diese Anweisungen ein und mussten dementsprechend improvisieren. Das gelang ihnen sehr gut. Es machte Spaß, den Spieler*innen dabei zuzuschauen, wie sie auch auf Handlungsanweisungen eingingen, die dem eigentlichen Lauf der Geschichte nicht unbedingt folgen zu schienen. Die selbst ausgedachten Geschichten der Schülerinnen und Schüler waren inhaltlich schlüssig und es war spannend, den Verlauf des Schicksals der Personen in den Räumen zu verfolgen.

Die vielfältigen Ergebnisse der Arbeit im Kreativum, welche sich die Zuschauer*innen ansehen konnten, waren in einem tollen Format aufgearbeitet und präsentiert worden. Es hat Spaß gemacht, diese für die Schultheaterwoche doch eher ungewöhnliche Produktion anzusehen und sich dabei durch verschiedene Präsentationsformate zu bewegen.

Swenja Blechinger

 

Wie im Programmheft angekündigt, erwartet die Zuschauer*innen an diesem Tag die Präsentation verschiedener Arbeitsgruppen. Die Veranstaltung beginnt im Theatersaal des CJD. Dort werden, von Lehrkräften beiläufig angekündigt,  verschiedene Musik- und Gesangsaufführungen dargeboten. Es handelt sich um einen schwungvollen Ragtime, ein kurzes selbst erarbeitetes Stück für je zwei Cajons, Kongas und Bongos; ein Schulchor bietet “Stitches” von Sean Mendes dar, anschließend wird vom weiblichen Part des Chores einstimmig “Wings” von Birdy vorgetragen. Es folgt der Jazzklassiker “Take Five” von Dave Brubeck. Die Qualität der Darbietungen: unterschiedlich. Die Bandbreite der gezeigten Leistungen: groß. Doch halt: Wo sind wir hier eigentlich? Bei einem Schulfest? Womöglich in der Rolle geneigter Eltern und weiterer Verwandter? Kurze Vergewisserung – nein, es handelt sich wirklich um die Präsentation “Räume”. Also gut, dann befinden wir uns eben in einem Klang-Raum. Obwohl, sollten die musikalischen Darbietungen nicht, wie im Programm angekündigt, die anderen Präsentationen untermalen? Doch, sollten sie, aber das tun sie nicht. Sie bleiben im Klang-Raum.

Nun wird das Publikum grüppchenweise treppauf durch den ehemaligen Internatstrakt geführt, um Point-and-Click-Adventures zu erleben. Die gespannten Besucher erleben dreimal dasselbe Format in mittelgradiger Variation: Eine Kamera-Verbindung gewährt Einblick in Räume, in denen sich ein oder mehrere eingesperrte Personen befinden, welche von der Zuschauerschaft interaktiv befreit werden müssen. An einem Bildschirm stehen dafür mehrere Objekte und Tätigkeiten zur Auswahl, die geschickt miteinander kombiniert werden müssen. Eine anonyme Computerstimme überträgt entsprechende Befehle aus den Zuschauerräumen zu den Darsteller*innen in der misslichen Lage, die mehr oder minder überzeugend ihre Rettung herbeisehnen und sich eigentlich im Nachbarraum befinden. Das ist eine spannende Spielidee, die gerade von jüngeren Besuchern zunächst begeistert aufgegriffen wird. Beim dritten Adventure ebbt die Begeisterung für das Interaktive jedoch schon wieder ab.

Und dann… ist die Zeit für Präsentationen vorbei. Wir verlassen den Raum; der Schüler, der uns begleitet hat, ward im Gedränge zwischen Flur und Treppenhaus nicht mehr gesehen. Im Rausgehen erhaschen Einige aus der sich verstreuenden Gruppe einen Blick in einen Escape-Room, in dem Seile gespannt sind. Keiner ist mehr da, um etwas darzubieten. Angeblich gibt es noch weitere Räume, in denen Gestaltungsideen zu ungewöhnlichen Ansichten verhelfen sollen. Aber wo? Und das Stück ist ja jetzt auch vorbei. Escape!

Es wird deutlich, dass hier viele gute Gestaltungsmöglichkeiten besser hätten genutzt werden können. Ein roter Faden wäre sinnvoll, eine Verzahnung der kreativen Ideen wünschenswert gewesen. Den Schüler*innen hätte ihre Rolle und ihre Verantwortung als Darbietende an vielen Stellen bewusster sein dürfen. Und nicht zuletzt hat sich ein Schulgebäude als schwieriges Terrain für neue räumliche Erfahrungen herausgestellt. Viele gute Ideen, dargeboten wie auf einem der vielen, hinreichend bekannten Tage der Offenen Tür, leider ohne Waffelduft und Raumplan.

Ute Wilken-Brüns

 

„Räume“ mit zu viel Leerlauf

Besonders gespannt habe ich der Kreativum-Aufführung des zehnten Jahrgangs der Christophorusschule entgegengesehen – zum einen aufgrund der ausgefallenen Raumnutzung des ehemaligen Internatshauses, zum anderen wegen der Anforderung, die das Kreativum an Spieler*innen und Spielleitung stellt: Der gesamte Jahrgang, aufgegliedert in die Bereiche Kunst, Musik, Theater und Technik, ist involviert und bringt das zweijährige Programm zum Ende der zehnten Klasse zu einem gemeinsamen Abschluss, was ein hohes Maß an Vernetzung und Kooperation erfordert.

Das gemeinsame Thema in diesem Jahr waren „Räume“, was vielerlei Perspektiven und Gestaltungsmöglichkeiten im Praktischen wie im Abstrakten eröffnet. Und genau an dieser Vielschichtigkeit ist die Organisation gescheitert. Eine gewünschte Vernetzung der künstlerischen Bereiche hat sich nicht erschlossen.

Die Spieler*innen des Theaterbereichs haben sich mutig an performatives Theater herangewagt und wurden dabei tatkräftig von der Technik unterstützt. „Guides“ führten Teilgruppen des Publikums in unterschiedliche Räume. So galt es für das Publikum, das über einen Bildschirm das Geschehen im Nebenraum verfolgen konnte, die Spielenden aus einer Gefangenschaft zu befreien, indem sie festgeschriebene Gegenstände benannten oder kombinierten, die zu des Rätsels Lösung und letztlich zum Schlüssel führten. Über ein Programm wurde die Auswahl übermittelt, sodass die Spielenden die gegebenen Informationen ausspielten. So wurde Raum für Koinzidenzen geschaffen.

Der Inszenierung liegt eine hervorragende Idee zugrunde, die den Zeitgeist von Escape-Rooms, Digitalisierung und Performances trifft, in der Umsetzung aber Schwächen zeigt: Alle drei zu durchlaufenden Stationen funktionierten nach demselben Prinzip, sodass der Unterhaltungswert des Interaktiven schnell verebbte. Dazu trugen auch die bereits erwähnten Guides bei, die kaum präsent waren, weil sie sich spielerisch nicht vom Publikum unterschieden oder schlichtweg zu schnell mit einem Teil der Gruppe vorausgingen. Es kam zu Wartezeiten – Leerlauf.

Miriam Müller

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