Rezension zu „Das Ende der Dämmerung“

Spieglein, Spieglein, … wer oder was hat die größte Macht im Land?

Ein „gewaltiges“ Spiel von Gut und Böse soll es laut Programmankündigung werden, das von den Schüler*innen der DS-Wahlpflichtkurse der Jahrgänge 7/8 und 9/10 der Oberschule Lehre erarbeitete Stück „Das Ende der Dämmerung“. Und es soll darin – im Rahmen eines Kampfes von drei Herrschern um die Weltmacht im Jahr 4000 – um die Frage gehen, was das Mächtigste sei, das man besitzen kann.

Die Antwort auf diese Frage schält sich im Verlauf des selbstverfassten 40-minütigen Stückes allmählich heraus, nachdem man die drei auf der Erde verbliebenen Herrscher samt ihren charakteristischen Gefolgschaften kennengelernt und eine Ahnung davon bekommen hat, dass es allen dreien um die absolute Weltherrschaft um jeden Preis geht. Vor eindrucksvollen, groß projizierten Bildern und mithilfe des Einsatzes von nur wenigen Requisiten, pointierten Kostümen und kraftvoller Musik erhalten die Zuschauer*innen einen direkten Zugang zur geradlinigen Handlung und den agierenden drei kriegerischen Völkern: Da gibt es Merwina, die Cleopatra-gleich mit totaler Strenge über ihr Gefolge – Schlangen und Wölfe – herrscht, außerdem den skrupellosen Mr. Miller, der in Anzug und mit überlegener Intelligenz von seiner seelenlos wirkenden „Mannschaft“ absoluten Gehorsam verlangt, und dann noch den Anführer Godo, dessen Herrschaftspotenzial der reinen Muskelkraft seiner ihm treuen Krieger entspringt.

Ab und zu hat dann auch der Tod seinen Auftritt und ruft einzelne Schergen von der Bühne ab. Hat ER vielleicht die über allem stehende Macht? Nein, das wäre zu einfach … Denn: Da gibt es ja auch noch die drei Hexen, die eigentlich nicht gut aufeinander zu sprechen sind, aber doch gemeinsame Sache machen wollen, um das drohende Ende der alleinigen Weltherrschaft durch einen der drei „bösen“ Widersacher zu verhindern. Was sie im Schilde führen?

Die Hexen bringen die (personifizierte) Liebe ins Spiel und die Kontrahenten gegeneinander auf – denn diese erkennen schnell, dass nur derjenige, der die Liebe in seiner Gewalt hat, über die absolute Macht verfügen wird. Darum geht es dann in den kriegerischen Auseinandersetzungen, die einmal per Videoprojektion und zum anderen als imposanter Stockkampf auf der Bühne entfaltet werden. Am Ende des „alles entscheidenden Kampfes in der Dämmerung“ haben aber alle drei Herrscher verloren, denn auch der sich selbst schon als Sieger wähnende Mr. Miller wird letztlich noch vom Tod persönlich niedergestreckt. Tod, Hexen und Liebe haben sich verbündet, das Gute hat gesiegt, die Menschheit kann „neu beginnen“ und „es beim nächsten Mal besser machen“. Was genau, darüber mag man diskutieren.

Die rasante und in sich weitgehend schlüssige Handlung wird in eindrucksvoller Weise von der Präsenz und der Konzentration aller Spieler*innen auf ihre jeweiligen Rollen getragen und am Ende durch einen begeisterten Applaus des Publikums belohnt. Dass das Stück unter der Spielleitung von Kathrin Marks, Lina Neumann und Sebastian Alexander eine Fülle von Anlehnungen an bekannte Bösewichte, Helden, Zitate und anderes mehr aus Film und Literatur erkennen lässt, wie zum Beispiel „Herr der Ringe“, „Momo“, „Matrix“, „Macbeth“, „Harry Potter“ und wohl auch „Schneewittchen“, um nur einige zu nennen, kann mit Blick auf die Altersgruppen der Spieler*innen sicher verziehen werden. Denn was den Spieler*innen selbst wichtig war und sie nach eigener Aussage besonders motiviert hat, war die Freiheit, die sie in Bezug auf die Ausgestaltung ihrer jeweils eigenen Rolle hatten. Und die hat einer Zusammenführung des Ganzen zu einem tatsächlich „gewaltigen“ und stimmigen Spiel nicht im Wege gestanden.

Babette Burgtorf

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