Rezensionen zu „Alice“

Sechs unmögliche Dinge!

„Weißer Hase, habe ich den Verstand verloren?“ „Na klar, aber das macht die Besten aus!“

Alice sitzt auf einem großen roten Sofa bei ihrem Therapeuten. Sie kann nachts schlecht schlafen, hat Albträume. Ihr Therapeut versetzt sie daraufhin in Hypnose. Sie schläft ein und fällt in ein tiefes Loch.

„Komm mit Alice, es wird Zeit,“ ruft ihr auf einmal der weiße Hase zu. Lichtwechsel, die Farben verändern sich: Alice ist im Wunderland angekommen. In der Welt trifft sie auf die Bewohner*innen, lernt den Hutmacher, den März-Hasen, die Maus, die Katze, die weiße Königin, die Herzkönigin, die Raupe und viele weitere kennen.  Alle setzen sich mit eigenen Themen auseinander, über die Angst, den Sinn des Lebens, über die Zeit. Auf ihrer Reise wird das Mädchen mit vielen Fragen konfrontiert. Dennoch, die Wunderländler zählen auf sie; „Alice, es ist deine Aufgabe uns zu retten, so steht es geschrieben.“  

Mit fast ausschließlich Live-Musik, choreografischen Einlagen, ständig wechselndem Bühnenbild und wunderbar selbstverfassten Dialogen unterhält uns der Prüfungskurs Darstellendes Spiel, der 12. Jahrgangsstufe der Sally-Perel-Gesamtschule unter der Spielleitung von Susanne Maierhöfer für sechzig Minuten im Haus Drei.

Neun Spieler*innen der Gesamtschule haben sich innerhalb eines Dreivierteljahrs mit den Themen Angst, Identität und Zeit auseinandergesetzt und daraufhin Alice in Wunderland auf ihre Art und Weise neu verfasst. Dabei führte jede*r Spieler*in für eine bestimmte Szene innerhalb des Stückes selbst Regie. Einer der Spieler übernahm sogar die musikalische Leitung und so werden wir von Anfang bis Ende des Stückes mit Bass, E-Gitarre und Gesang begleitet. Lieder, wie zum Beispiel White Rabbit von Jefferson Airplane sind geschickt ausgewählt und schaffen eine mystische, fantastische Atmosphäre. Das wird durch Lichteffekte und Projektionen von Waldaufnahmen verstärkt.

Die Spielfreudigen schaffen es, mit Intelligenz, Witz und Authentizität das Publikum in die verrückte Parallelwelt eintauchen zu lassen. Alle Charaktere sind präzise gezeichnet und im Detail ausgearbeitet. Ob es der Hutmacher ist, der einen Konflikt mit der Zeit austragen muss, der März-Hase, der Tee liebt und immer mal wieder kurz verrückt spielt, oder die Herzkönigin, die jeden köpfen lassen möchte: jede Rolle sticht individuell hervor, bildet ein gelungenes Gesamtbild der Bewohner*innen des Wunderlandes ab. In Gruppenszenen arbeitet der DS-Kurs chorisch und synchron. Das Tellerstapeln wird zur Choreografie, es wird getanzt, und unterschiedliche Ängste und Wünsche der einzelnen Figuren sichtbar gemacht. Angst, dass einen die Freundin verlässt oder die Angst vor dem eigenen Spiegelbild. Ängste, mit denen jede*r mal zu kämpfen hat.  

Zurück bleibt man mit der Aussage des Hutmachers: „Ich denke bereits vor dem Frühstück an sechs unmögliche Dinge.“ Ein Aufruf zum Träumen? Was wären deine?

Alice Kretzer

 

Ein grandioses Fest für die Sinne haben die neun Spieler*innen und ihre Spielleiterinnen des Prüfungskurses DS des 12. Jahrgangs der Sally-Perel-Gesamtschule Braunschweig mit ihrem selbstverfassten Stück „Alice“ auf die Bühne des ausverkauften Haus Drei gezaubert.

Die jugendliche Alice steht unter Druck. Sie sieht sich konfrontiert mit den typischen Forderungen der Erwachsenenwelt an die Jugend – anstrengen, studieren, heiraten. Von Alpträumen getrieben, wird sie von ihrem Therapeuten in Hypnose versetzt und fällt ins zauberhaft verrückte Wunderland, wo Märzhase, der verrückte Hutmacher und alle anderen fantastischen Wesen schon auf sie warten. Aber meinen sie denn wirklich diese Alice? Wer ist Alice überhaupt?

In der Auseinandersetzung mit den Themen Identität, Angst und Zeit auf Basis des Carroll’schen Kinderbuchklassikers „Alice im Wunderland“ haben die Spieler*innen, unterstützt von gezielt eingesetzten Projektionen und Live-Musik, ein Wunderland geschaffen, in dem die Gesetzmäßigkeiten von Raum und Zeit aufgehoben sind und Logik und Rationalität keine Rolle mehr spielen. Konfrontiert mit dieser Wunderwelt befindet sich Alice in einem Zustand maximaler Verunsicherung und Selbstentfremdung. Letztlich liefert die Raupe Alice den entscheidenden Ansatzpunkt zum wichtigen Entwicklungsschritt und Alice erlangt mit dem Verlassen des Wunderlands die erhoffte Selbstsicherheit. Wenngleich aus dieser fantastisch schillernden Bilderwelt, die auch durch das gelungene Bühnenbild und die fantasievollen Kostüme kreiert wurde, durchweg Tim Burton grüßte, bleibt dessen düstere Konsequenz unzitiert.

Die Spieler*innen feiern das Theater. Mit unglaublicher Bühnenpräsenz, Spielfreude und nahezu professioneller schauspielerischer und gesanglicher Leistung haben die Spieler*innen in ihren perfekt ausgearbeiteten Rollen das Publikum mit in ihr Wunderland gerissen, ihr theatrales Können deutlich bewiesen und beim begeisterten Publikum verdient tosenden Applaus geerntet.

Ich ziehe meinen Hut vor dieser fantastischen Leistung!

Maria Reminghorst-Fehn

Während Alice nicht dem weißen Kaninchen, was auf die Uhr starrt und behauptet, es komme zu spät, folgt, folgt sie dem Anraten des Psychotherapeuten, der sie mithilfe einer Uhr und psychedelischer Musik auf eine vermeintlich psychotherapeutische Traumreise nimmt, um aus ihren persönlichen Konflikten und Problemen des pubertären Druckes des „Du musst“ zu entkommen. Diese Zeitreise entpuppt sich nicht nur als eine Auseinandersetzung mit Fragen an die Welt des „Wer bin ich?“, „Wer will ich sein?“, „Wo will ich hin?“ und „Was soll ich tun?“, sondern auch als ein phantasievolles Hineinkatapultieren ins Wunderland der Absurditäten und Paradoxien, in welchem Alice auf den verrückten Hutmacher und seine Teegesellschaft, das hypochondrische Häschen und andere Tierwesen trifft. Letztlich kommt es zu einer Gerichtsverhandlung initiiert von einem Superhelden, der die absurden Tiere als Zeugen hören will, um herauszufinden, wer das selbstgebackene Törtchen gestohlen hat. Für die Zuschauer*innen war es eben genau diese wunderbare Reise ins Land der tiefschichtigen Ängste, Konflikte, Phantasien, Kreationen, musikalischen Kompositionen und Verrücktheiten, die das Stück zu einem Einblick in die wunderbare Welt der Alice-verliebten Jugendlichen macht. Eine Hochkultur der vielfältigen theatralen Möglichkeiten in einer Welt der unmöglichen Möglichkeiten. Eine grandiose Leistung der Schüler*innen und der Spielleiterin, Susanne Maierhöfer, von der Sally-Perel-Gesamtschule in Braunschweig.

Karina Fäsche

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