Rezension zu „FlugBahnTaxi nach Überall“

Mit dem FlugBahnTaxi auf der Reise nach Überall – wie das in nur knapp 40 Minuten funktionieren kann, zeigte die Theater-AG des 5. und 6. Jahrgangs der Gaußschule in einer beeindruckenden Collage aus biografischen Texten und Bewegungen, die die Zuschauer*innen zu den Reisezielen der 17 Schüler*innen rund um den Globus führt.

Der Beginn wirkt zunächst wie ein Vorlese-Battle aus Lieblingsbüchern, das jedoch jäh von Kästners „Das fliegende Klassenzimmer“ unterbrochen wird und die Sehnsucht nach fernen Ländern weckt. Die Zuschauer*innen befinden sich sofort darauf im FlugBahnTaxi und hören die Reisehinweise des PilotSchaffnerKapitäns. Besonders faszinierend dabei war, wie die Fünft- und Sechstklässler typische Lautsprecheransagen der Deutschen Bahn und des Flug- und Schiffsverkehrs in sich verschachtelt und sprachlich virtuos gestaltet haben: von der wiederholenden Ansage des Zuspätkommens der Bahn bis hin zum überspitzt unverständlich genuschelten Snackpoint-Angebot.

Gleichzeitig wird das Publikum von der Spielgruppe in die Sicherheitshinweise einer Flugreise choreografisch eingewiesen, bevor es endlich losgehen kann – aber wohin eigentlich?

Man wird unter anderem von New York bis nach New York über Stippvisiten in die Wüste, den Dschungel und den Polarkreis geführt. Dabei verdeutlichen die Schüler*innen nur mit Bewegungen eindrücklich die einzelnen (Natur-)Bilder. Gemixt werden diese Szenen immer abwechselnd mit biografischen Texten, die von persönlichen Reiseerfahrungen oder Sehnsüchten berichten. Auch hier ist bemerkenswert, wie vielfältig die Spielgruppe die biografischen Texte ausgestaltet: Mal werden einzelne Wörter besonders experimentell betont, mal chorisch von der Gruppe verstärkt, ein andermal der Text eingespielt und durch Gestik untermalt, und einmal wird der Text sogar gerappt. Und auch andere Sprachen kommen auf der Reise zum Einsatz: Neben einem Flüsterteppich aus einem Sprachenwirrwarr wird unter anderem auch Englisch und Mandarin gesprochen, welches die Muttersprachen von zwei Spielerinnen sind.

So ist das Thema Reise quasi auch innerhalb der Gruppe schon längst angekommen, bevor man wieder bei Kästners „fliegendem Klassenzimmer“ landet und das Nachwort des Romans vorliest, in dem der Autor sich wieder in der Großstadt befindet und sich nach der Natur der Berge zurücksehnt.

Und so wird auch sicherlich bei der/dem Zuschauer*in die Sehnsucht nach der Ferne durch das rundum (die Welt) sehr schöne und vielfältig inszenierte Stück neu geweckt.

Constanze Sallatsch

%d Bloggern gefällt das:
search previous next tag category expand menu location phone mail time cart zoom edit close