Rezension zu „Wer heute ein Ei kauft, hat morgen zwei“

Gegen den Text spielen

Der Prüfungskurs DS des 12. Jahrgangs des Gymnasiums im Schloss Wolfenbüttel fegte mit großer Spielfreude durch Ionescos absurdes Theater über die Bühne. Ein Schultheaterstück, oder genauer gesagt: ein Schulantitheaterstück ist gerade für nicht-professionelle Spieler*innen eine große Herausforderung, da das Gegen-den-Text-Spielen enorme Sicherheit in Spiel, Gestik, Mimik und Reaktion erfordert. Eine mutige Entscheidung also, sich mit drei Ionesco Stücken auseinanderzusetzen, diese wiederum zusammenzusetzen und ein eigenes Stück daraus zu entwickeln. Spannend absurde, verwirrende Dialoge, schräge Figuren, choreografische Elemente gepaart mit einem guten Spieltempo haben neben der Textsicherheit auch die eine oder andere Stelle, an der mal wieder geschrien und laut gestampft wurde, wieder wettgemacht. Die Herausforderung eine nicht logische, in sich geschlossene Narration in einem dialogischen Spiel darzustellen, ist denkbar hoch und denkbar schwierig ist es, derartige Textmengen im Team zu bewältigen. Allerdings hätte mehr Körperlichkeit den Spieler*innen geholfen, die Figuren auf Spannung zu halten, auch wenn man gerade keinen Text spricht.

Eine mutige, unterhaltsame und herrlich absurde Abwechslung in dem sonst so biografisch-dokumentarisch gefärbtem Schultheater.

Céline Bartholomaeus

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